Cannabis in Portugal

Portugal schließt die Tür für Tabakprodukte aus Hanf

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Portugal hat seine bislang expliziteste Position zur Vermarktung von Hanfprodukten in Form von „Tabakprodukten“ veröffentlicht, wie uns CannaReporter mitteilt.

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In einem offiziellen Schreiben, das am 26. November 2025 veröffentlicht wurde, beendete die Autoridade Tributária e Aduaneira (AT) monatelange Spekulationen unter den Marktteilnehmern, indem sie das kategorische Verbot des Verkaufs von Produkten, die THC, CBD oder einen anderen Extrakt oder eine andere Zubereitung der Cannabispflanze enthalten, bestätigte, wenn sie als Tabakprodukte oder Äquivalente vermarktet werden.

Diese Entscheidung erfolgte, nachdem Wirtschaftsakteure und Zollämter um Klärung gebeten hatten, nachdem vermehrt Produkte wie CBD-Zigaretten, Hanfvorwalzen und Hanf-infundierte Flüssigkeiten auf dem europäischen Markt zirkulierten.

Um einen endgültigen Standpunkt festzulegen, konsultierte die TA Infarmed, die portugiesische nationale Behörde für Arzneimittel und Gesundheitsprodukte. Die Antwort ließ keine Unklarheiten zu: „Nur Stoffe oder Zubereitungen auf Cannabisbasis dürfen mit der entsprechenden Genehmigung für medizinische Zwecke bereitgestellt werden“.

Eine strenge Auslegung des derzeitigen Rechtsrahmens

Das Schreiben der TA bekräftigt, dass der Verkauf der Cannabispflanze, ihrer Extrakte und Zubereitungen weiterhin streng durch das Gesetzesdekret Nr. 8/2019, den portugiesischen Rechtsrahmen für medizinisches Cannabis, geregelt wird. Nach dieser Regelung muss jedes Produkt, das für den medizinischen Gebrauch bestimmt ist, eine Marktzulassung (ACM) von der Infarmed erhalten, bevor es vermarktet werden darf.

Die Steuerbehörde geht noch weiter und erklärt, dass diese Extrakte – insbesondere THC und CBD – unter Tabelle I-C des Gesetzesdekrets Nr. 15/93 fallen, eine Klassifizierung, die sie außerhalb des Bereichs des laufenden Handels stellt, es sei denn, sie sind für medizinische Zwecke zugelassen. Diese Klassifizierung gleicht THC- und CBD-reiche Extrakte an andere kontrollierte Substanzen an.

Konkret verbietet die neue Richtlinie den Verkauf aller Produkte, die „den durch die Tabaksteuer besteuerten Produkten gleichwertig sind“, wie Zigaretten, Zigarillos oder Flüssigkeiten für elektronische Zigaretten, wenn sie Cannabisbestandteile enthalten. Wie es in dem Dokument heißt, dürfen „Produkte, die den mit der Tabaksteuer besteuerten Produkten […] gleichwertig sind und in ihrer Zusammensetzung Stoffe oder Zubereitungen auf Cannabisbasis enthalten, nicht auf dem nationalen Hoheitsgebiet vermarktet werden“.

Mit dieser Maßnahme sollen die Zollverfahren harmonisiert und verhindert werden, dass Produkte aufgrund uneinheitlicher Gesetzesauslegungen auf den Markt gelangen.

Ein Rückschlag für die Wirtschaftsbeteiligten, die auf eine Weiterentwicklung der Vorschriften gehofft hatten

Für die Marktteilnehmer stellt diese Ankündigung einen klaren Rückschlag dar. Mehrere Unternehmen, die in der europäischen Hanf- und CBD-Branche tätig sind, hatten gehofft, dass Portugal, das für seinen progressiven Ansatz in der Drogenpolitik bekannt ist, schließlich eine regulierte Kategorie für CBD-Blüten, Hanfzigaretten oder Cannabis-abgeleitete Flüssigkeiten eröffnen würde. Diese Produkte haben sich auf anderen EU-Märkten als sehr erfolgreich erwiesen.

Die Interpretation der TA bestätigt jedoch, dass Portugal ein ausschließlich medizinisches Modell für Cannabisextrakte und -zubereitungen beibehalten wird. Alles, was nicht in diesen Anwendungsbereich fällt, wird unabhängig von seinem THC-Gehalt nicht auf dem Markt zugelassen werden.

Diese Position steht in starkem Kontrast zu den Rahmenbedingungen, die sich anderswo in Europa herausbilden. Länder wie Belgien, Luxemburg, Estland, Polen und Österreich besteuern bereits CBD-Blüten oder betrachten sie als Tabakersatzstoffe.

Belgien war Vorreiter: Im April 2019 wurde es das erste EU-Land, das getrocknete Hanfblüten mit einem THC-Gehalt von weniger als 0,2 % als „Tabakprodukt“ reguliert, was eine klare Besteuerung und Qualitätskontrolle ermöglicht. Das belgische Modell hat jedoch die Entwicklung eines legalen CBD-Sektors getötet, indem es diese Produkte sehr hoch besteuert und damit die Geschäftsmöglichkeiten für Produzenten und Händler verringert hat.

In Portugal sieht die Realität ganz anders aus. CBD-Blüten und vorgerollte Hanfpflanzen werden in den Geschäften weiterhin als „Sammlerstücke“ oder „Dekorationsartikel“ verkauft, eine rechtliche Lösung, die in Ländern mit unklaren Vorschriften weit verbreitet ist.

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