Cannabis in Deutschland

„Keine kurzfristigen Auswirkungen“: Deutsche Forscher analysieren die kurzfristigen Auswirkungen der Cannabis-Legalisierung

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Die ersten Ergebnisse der Studie über die Auswirkungen der teilweisen Legalisierung von Cannabis in Deutschland zeigen keinen kurzfristigen Anstieg des Konsums oder der damit verbundenen Verkehrsdelikte, sondern eher einen starken Rückgang der Strafverfolgungen.

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Forscher des Universitätsmedizinischen Zentrums Hamburg-Eppendorf (UKE) in Deutschland haben die kurzfristigen Auswirkungen einer teilweisen Legalisierung von Cannabis für Erwachsene untersucht. Im April 2024 trat in Deutschland das CanG-Gesetz in Kraft, das den begrenzten Anbau und Besitz von Cannabis zu Freizeitzwecken für Erwachsene erlaubt.

Daraufhin wurde im August 2024 ein neuer gesetzlicher Grenzwert von 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum für das Autofahren festgelegt.

Veröffentlicht in der Zeitschrift The Lancet Regional Health – Europe, wäre diese Studie die erste, die die kurzfristigen Auswirkungen der Legalisierung von Cannabis in Deutschland auf den Konsum und das Fahren unter dem Einfluss von Cannabis bewertet.

Das Forschungsteam stellte in den acht Monaten nach Einführung der Änderungen keine signifikanten Veränderungen beim Cannabiskonsum oder bei Fällen von Fahren unter Cannabiseinfluss fest, verglichen mit dem Zeitraum vor der Gesetzesänderung.

Die Studie stützt sich auf die Daten einer demografischen Umfrage, die in Deutschland und Österreich vor und nach der teilweisen Legalisierung durchgeführt wurde, obwohl der Besitz von Cannabis in Österreich weiterhin illegal ist.

„Keine kurzfristigen Auswirkungen“

Laut der Studie stieg der Cannabiskonsum unter den 18- bis 64-Jährigen in Deutschland von 12,1 % auf 14,4 %, aber dieser Anstieg war in Österreich trotz des Verbots vergleichbar.

Unter den Personen, die mindestens einmal im Monat Cannabis konsumierten, war die Zahl derer, die unter Cannabiseinfluss Auto fuhren, in Deutschland vor der Legalisierung und vor der Festlegung eines neuen Grenzwerts für THC (Tetrahydrocannabinol) im Blut für das Fahren etwas niedriger. Auch hier stellten die Forscher keinen signifikanten Unterschied zu Österreich fest.

In etwa 22 % der Fälle war das Fahren unter Cannabiseinfluss mit dem Konsum von Alkohol oder anderen Substanzen verbunden. Während diese Vorfälle des Fahrens unter dem Einfluss mehrerer Substanzen hauptsächlich den wöchentlichen Konsumenten zugeschrieben wurden, war das Fahren unter dem Einfluss von Cannabis allein häufiger bei den täglichen Konsumenten zu beobachten.

„Insgesamt ergab diese Studie keine kurzfristigen Auswirkungen auf den Cannabiskonsum oder das Fahren unter Cannabiseinfluss nach der Legalisierung von Cannabis in Deutschland“, schlussfolgern die Forscher.

„Weitere Studien mit längeren Beobachtungszeiten und anderen Daten, insbesondere zu Verkehrsunfällen mit Substanzkonsum und toxikologischen Informationen, sind notwendig, um die langfristigen Auswirkungen des Gesetzes zu überwachen.“

Erste Ergebnisse der EKOCAN-Bewertung in Deutschland

Das Forschungsprojekt EKOCAN, das vom deutschen Bundesministerium für Gesundheit (BMG) finanziert wird, führt eine unabhängige wissenschaftliche Evaluation zu den Auswirkungen des CanG auf den Kinder- und Jugendschutz, die öffentliche Gesundheit und die Cannabiskriminalität durch.

Die vorläufigen Ergebnisse, die Ende 2025 veröffentlicht wurden, zeigten außerdem, dass sich im ersten Jahr der Legalisierung die Zahl der Jugendlichen oder Erwachsenen, die Cannabis konsumieren, nicht wesentlich verändert hat.

Dr. Jakob Manthey, Koordinator von EKOCAN und Leiter einer Forschungsgruppe am Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung der Medizinischen Universität Hamburg-Eppendorf, erklärte: „Die verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass sich nach der teilweisen Legalisierung im Jahr 2024 die Zahl der Cannabiskonsumenten und das Ausmaß der mit dem Cannabiskonsum verbundenen Gesundheitsprobleme kurzfristig nur wenig verändert haben.“

Der Cannabiskonsum unter Jugendlichen ist seit 2019 rückläufig, und dieser Trend scheint sich trotz der Gesetzesänderung fortzusetzen.

Professor Daniel Kotz (Leiter der Abteilung für Suchtforschung und klinische Epidemiologie am Universitätsklinikum Düsseldorf) fügte hinzu: „Die bisher vorliegenden Daten zeigen auch, dass sich der rückläufige Trend beim Anteil der Jugendlichen, die Cannabis konsumieren, auch nach der Teillegalisierung fortgesetzt hat.“

Rückgang der Straftaten im Zusammenhang mit Cannabis

Im gleichen Zeitraum sollen die von der Polizei registrierten Cannabisdelikte um 60 bis 80 Prozent zurückgegangen sein. Die deutsche Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2024 weist in diesem Bereich 100.000 Strafverfahren weniger aus als im Vorjahr, da Gelegenheitskonsumenten nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden.

Professor Jörg Kinzig, Direktor des Instituts für Kriminologie an der Universität Tübingen, sagte: „Was wir bereits jetzt sagen können, ist, dass die teilweise Legalisierung von Cannabis die größte quantitative Entkriminalisierung in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland darstellt. Im Jahr 2024 registrierte die Polizei über 100.000 Cannabisfälle weniger als im Vorjahr“

Kinzig merkt jedoch an, dass weitere Daten und ein längerer Beobachtungszeitraum erforderlich sind, um die Auswirkungen der Gesetzesänderung auf das organisierte Verbrechen und die Praktiken der Polizei und des Justizsystems im Detail zu bewerten.

Der Zwischenbericht integriert Informationen aus 12 Untersuchungen und 20 gängigen Datenquellen. Die Schlussfolgerungen werfen außerdem ein zusätzliches Licht auf die Auswirkungen des Gesetzes auf die Marktdynamik.

Medizinisches Cannabis machte etwa 12-14% der gesamten Cannabisnachfrage aus, wobei Anbauverbände weniger als 0,1% der benötigten Menge produzierten.

Der Bericht stellt fest, dass die Vereinigungen bisher „keinen signifikanten Beitrag“ zur Reduzierung des illegalen Marktes geleistet haben, wie es eigentlich beabsichtigt war.

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