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EKOCAN-Bericht: Die Legalisierung von Cannabis in Deutschland funktioniert … aber nicht so, wie es sich die Gesetzgeber vorgestellt haben

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Ekocan-Bericht
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Am 1. April 2024 trat in Deutschland das Cannabis-Konsum-Gesetz (KCanG) in Kraft. Es legalisierte den Besitz und Anbau von Cannabis für Erwachsene innerhalb klar definierter Grenzen und zielte gleichzeitig darauf ab, den Schwarzmarkt einzudämmen, den Schutz von Kindern und Jugendlichen zu stärken sowie die Risiken für die öffentliche Gesundheit zu verringern.

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Zwei Jahre später veröffentlichte das Forschungsprojekt EKOCAN („Evaluation des Freizeit-Cannabis-Gesetzes“) seinen zweiten Zwischenbericht (siehe unseren Artikel über den ersten hier), ein Dokument, das erstmals konkrete Trends aufzeigt, auch wenn viele Ergebnisse noch vorläufig sind.

Der im April 2026 veröffentlichte Bericht stützt sich auf Daten, die bis März 2026 gesammelt wurden, und ist Teil einer langfristigen wissenschaftlichen Bewertung, die bis 2028 fortgesetzt werden soll. Zu diesem Zweck wertet EKOCAN zahlreiche Primär- und Sekundärdaten aus: Umfragen, Routinedaten aus dem Gesundheitssystem, Polizei- und Justizstatistiken sowie qualitative Interviews mit Konsumenten, Präventionsfachleuten und Strafverfolgungsbehörden. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass die meisten Analysen bislang nur deskriptiv sind; zuverlässige statistische Schlussfolgerungen über Kausalitäten sind erst später zu erwarten.

Trotz dieser Einschränkungen wird eines bereits deutlich: Die „Teil-Legalisierung“ in Deutschland hat einen deutlich stärkeren Einfluss auf den Markt als auf das Konsumverhalten.

Ein legaler Markt wächst, aber anders als erwartet

Eine der wichtigsten Schlussfolgerungen des Berichts betrifft die Entwicklung des Cannabismarktes. Die Legalisierung hat neue Beschaffungskanäle geschaffen, die im Prinzip legal sind, aber nicht unbedingt über die von den Politikern vorgesehene Hauptsäule laufen: die Cannabis Social Clubs (Anbauverbände).

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Der private Anbau für den Eigenbedarf nimmt zwar deutlich zu. Während in der ersten Hälfte des Jahres 2024 nur 5,4 % der Konsumenten angaben, den Großteil ihres Cannabis selbst anzubauen, lag dieser Anteil in der zweiten Hälfte des Jahres 2025 bereits bei 21,4 %.

Nach wie vor dominiert jedoch eine andere Art des Zugangs: die sogenannte „social supply“, also die Beschaffung über Freunde und soziale Kontakte, ein Bereich, der sich oft in einer rechtlichen Grauzone befindet und sogar eindeutig illegal ist. In der zweiten Hälfte des Jahres 2025 machte diese Art der Beschaffung 35,2 % der Hauptbeschaffungsquellen aus.

Die eigentlichen Anbauverbände bleiben dagegen marginal. Bis zum 31. Oktober 2025 waren nur 366 Vereine in ganz Deutschland zugelassen. Selbst unter äußerst optimistischen Annahmen könnten damit maximal 183.000 Mitglieder versorgt werden. Die EKOCAN schätzt daher, dass im Jahr 2025 maximal 3,5 % der Konsumenten Cannabis über Clubs beziehen konnten – in Wirklichkeit wahrscheinlich deutlich weniger.

Die politische Idee eines regulierten Vereinsmodells, das den Schwarzmarkt verdrängen soll, hat bislang kaum Früchte getragen.

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Der wahre Gewinner: medizinisches Cannabis

Die große Überraschung – und wahrscheinlich auch das größte Problem – liegt woanders. Parallel zum KCanG wurde auch das Gesetz über medizinisches Cannabis (MedCanG) reformiert. Seitdem ist es deutlich einfacher geworden, Cannabis auf Privatrezept zu verschreiben.

Das Ergebnis: Innerhalb kürzester Zeit ist Deutschland zum größten legalen kommerziellen Markt für Cannabis in Europa geworden. Laut EKOCAN waren im Jahr 2025 unter Einbeziehung der Importe und der eigenen Produktion (2,6 Tonnen) bis zu 200 Tonnen medizinisches Cannabis verfügbar.

In Interviews berichten viele junge Erwachsene, dass sie Cannabis nun hauptsächlich über „Online-Apotheken“ beziehen. EKOCAN sieht darin ein strukturelles Problem: Viele Online-Plattformen vermarkten medizinisches Cannabis offenbar gezielt an Freizeitkonsumenten, begünstigt durch niedrige Preise und das Angebot sehr potenter Sorten.

Der Bericht nennt sogar konkrete Beispiele, in denen die Kommunikation in sozialen Netzwerken eindeutig zugunsten des Freizeitkonsums wirkt, einschließlich Rabattcodes und Memes.

Besonders kritisch: Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass viele dieser Plattformen wahrscheinlich systematisch gegen das deutsche Arzneimittelwerbegesetz verstoßen, das die Werbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel verbietet.

Schutz von Minderjährigen: Keine Explosion, aber gefährliche Versorgungsengpässe

Einer der größten politischen Konflikte um die Reform drehte sich um die Frage: Steigt der Konsum bei Jugendlichen?

Der EKOCAN-Bericht liefert hier ein klares Zwischenfazit: Die Prävalenz des Konsums unter Jugendlichen scheint stabil oder leicht rückläufig zu sein. Auch die Risikowahrnehmung ist bislang nicht zurückgegangen. Auch ein plötzlicher Anstieg der Probleme im Zusammenhang mit Cannabis ist nicht festzustellen.

Die Evaluation weist jedoch auf ein weiteres Risiko hin: die Schwächung der Frühinterventionssysteme.

Programme wie FreD („Frühintervention bei primären Drogenkonsumenten“) wurden früher häufig von der Polizei oder der Justiz nach folgendem Prinzip durchgeführt: Die Jugendlichen fallen auf, erhalten eine Maßnahme statt einer Strafe und finden sich in einem Erziehungsprogramm wieder.

Seit der Entkriminalisierung verschwindet dieser Mechanismus tendenziell. In Bayern beispielsweise ist die Zahl der aktiven FreD-Standorte drastisch gesunken: Von 38 Standorten boten im April 2025 nur noch 13 das Programm aktiv an, also nur noch etwa ein Drittel.

Fachleute berichten von einer unklaren Kompetenzverteilung zwischen Polizei, Jugendschutzbehörden und Beratungsstellen. Und sie warnen: Die freiwillige Teilnahme funktioniere kaum, viele Jugendliche würden sich nun erst dann bei den Drogenberatungsstellen melden, wenn die Sucht oder schwerwiegende Probleme bereits eingetreten sind.

Daraus ergibt sich eine paradoxe Situation: Der Jugendschutz scheint im Hinblick auf das statistische Konsumverhalten stabil zu sein, aber die Präventionsstruktur wird geschwächt.

Gesundheitsschutz: Die Trends setzen sich fort, aber ohne klare Auswirkungen von KCanG

Im Bereich des Gesundheitsschutzes ergibt sich ein differenziertes Bild. Zunächst einmal bestätigt der EKOCAN eine Entwicklung, die seit etwa 15 Jahren zu beobachten ist: Der Cannabiskonsum nimmt zu, ebenso wie die damit verbundenen Gesundheitsprobleme.

Allerdings konnte bislang keine eindeutige kurzfristige Wirkung von KCanG nachgewiesen werden. Die Bewertung stützt sich auf Umfragen, die Abwasserüberwachung in 15 Städten, Daten von Krankenkassen, Krankenhausstatistiken, Giftnotrufzentralen sowie Daten über Verkehrsunfälle.

Ein weiterer Befund ist jedoch besorgniserregend: Während junge Erwachsene häufiger konsumieren und sich häufiger mit cannabisbezogenen Diagnosen im Gesundheitssystem vorstellen, ist die Inanspruchnahme ambulanter Suchthilfedienste seit Jahren rückläufig, auch nach der Reform.

EKOCAN sieht darin eine strukturelle Schwäche des deutschen Suchthilfesystems, das möglicherweise nicht ausreichend finanziert und für die Zielgruppe nicht attraktiv genug ist.

Kriminalität: Historischer Rückgang, aber organisierte Netzwerke bleiben aktiv

In kriminologischer Hinsicht bestätigt der Bericht, was bereits im ersten Zwischenbericht als historisch bezeichnet wurde: Die Teil-Legalisierung hat zur größten Entkriminalisierung in der Geschichte der Bundesrepublik geführt. Die Zahl der Personen, die sich wegen konsumbezogener Straftaten vor Gericht verantworten müssen, ist deutlich zurückgegangen.

Die erhoffte Entlastung von Polizei und Justiz ist jedoch noch nicht eingetreten, vor allem wegen des komplizierten Amnestieverfahrens, das im Cannabisgesetz (Art. 13) vorgesehen ist.

Einer der Schwerpunkte des zweiten Berichts ist die organisierte Kriminalität im Zusammenhang mit Cannabis (canOK). EKOCAN definiert canOK als die Gesamtheit der professionellen Akteure, die aus dem profitmotivierten Schwarzmarkt Nutzen ziehen.

Der Bericht stellt fest, dass es Hinweise auf einen teilweisen Rückgang des Schwarzmarktes gibt, da mehr Konsumenten auf legale oder quasi-legale Wege zurückgreifen. Ob dies jedoch die organisierte Kriminalität finanziell schwächt, bleibt offen, zumal es erste Hinweise darauf gibt, dass kriminelle Netzwerke versuchen könnten, den legalen Markt zu infiltrieren.

Hinzu kommt, dass Ermittler berichten, dass Besitzdelikte früher oft als „Einfallstor“ für weitergehende Ermittlungen dienten. Diese Möglichkeit entfällt nun. Einige Staatsanwälte kritisieren zudem die Einschränkungen für verdeckte Ermittlungsmaßnahmen und stellen insgesamt einen nachlassenden Strafverfolgungsdruck fest.

Empfehlungen: Vereine erleichtern, Prävention retten, medizinischen Markt regulieren

Der EKOCAN-Bericht endet nicht mit einem einfachen „Erfolg“ oder „Misserfolg“, sondern mit konkreten politischen Empfehlungen.

Zentrale Punkte :

  • Die Regeln und Genehmigungsverfahren für Kulturvereine sollten überprüft werden, da sie bislang kaum Wirkung gezeigt haben.
  • Artikel 7 des KCanG zur Frühintervention sollte reformiert werden, da er die Abschaffung der gerichtlichen Anrufung nicht kompensiert.
  • Die ambulante Suchthilfe sollte finanziell gestärkt und besser auf die Zielgruppen zugeschnitten werden.
  • Die Strafverfolgungsbehörden sollten institutionell gestärkt werden, wenn verdeckte Ermittlungen tatsächlich erschwert wurden.
  • Eine besonders radikale Maßnahme: Die EKOCAN schlägt vor, den THC-Gehalt von verschreibungspflichtigen medizinischen Blüten zu begrenzen, um den Missbrauch und die Risiken von hochpotenten Produkten einzudämmen.

Eine Zwischenbilanz, die die deutsche Reform neu bewertet

Zwei Jahre nach der Teillegalisierung zeigt sich, dass Deutschland weniger einen legalen Freizeitmarkt als vielmehr einen riesigen medizinischen Parallelmarkt geschaffen hat, der zunehmend den Freizeitkonsum bedient.

Jugendliche konsumieren nicht plötzlich mehr, aber die Instrumente der Prävention bröckeln. Die Justiz ist erleichtert, aber die organisierten Strukturen bleiben aktiv, während die Ermittlungsbehörden sich teilweise geschwächt fühlen.

EKOCAN zieht also keine endgültige Bilanz: Er kommt zu dem Schluss, dass das KCanG Deutschland verändert, aber nicht genau so, wie der Gesetzgeber es beabsichtigt hatte. Ein Ball, den der Bundesverband Cannabiswirtschaft Deutschland (BvCW) beim Rebound aufnimmt.

„Der Deutsche Cannabis Fachverband betrachtet diese Erfolge als eine solide Grundlage, um die nächste Modernisierungsphase einzuleiten. Aus Sicht der Cannabisindustrie ist ein legaler Zugang zu Cannabis die Voraussetzung für einen effektiveren Kampf gegen illegale Aktivitäten. Zu diesem Zweck hatte der Gesetzgeber eine zweite Säule des Gesetzes vorgesehen, die aus wissenschaftlichen Pilotprojekten für einen regulierten Vertrieb bestand, die jedoch noch nicht umgesetzt wurde. Der BvCW fordert die Bundesregierung daher auf, mit den relevanten Interessengruppen aus den Bereichen Suchtprävention, Strafverfolgung, Industrie, Anbauverbände, Ärzte und Patienten zusammenzuarbeiten, um eine gemeinsame Position zu erarbeiten, wie das Gesetz verbessert werden kann, um den legalen Zugang zu kontrollierten Produkten zu erweitern und eine klare Unterscheidung zwischen medizinischem Cannabis und Cannabis für den Freizeitgebrauch zu treffen“, schreibt sie.

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