Anutin Charnvirakul, der „Cannabis-König“, übernimmt die Macht in Thailand
Thailand hat einen neuen Premierminister: Anutin Charnvirakul, der wegen seiner Rolle bei der Entkriminalisierung von Cannabis im Jahr 2022 oft als „Cannabis-König“ bezeichnet wird. Am Freitag erhielt der 58-jährige Führer der Bhumjaithai-Partei (Stolz Thailands) 311 von 492 Stimmen im Parlament und wurde damit der dritte Regierungschef des Landes in nur einem Jahr.
Der Cannabis-Architekt an der Macht
Für Beobachter der thailändischen Politik ist Anutins Aufstieg aufgrund seiner symbolischen Verbindung mit der Cannabisreform von besonderer Bedeutung. Als Gesundheitsminister während der Covid-19-Pandemie war er die treibende Kraft hinter der Entfernung von Cannabis von der Drogenliste des Landes bis 2022, wodurch Thailand das erste asiatische Land wurde, das diese Pflanze entkriminalisierte.
Seine Partei baute ihr Image um diese Politik herum auf. Während der Kampagne für 2023 erschien Anutin sogar in Hemden, die mit Cannabisblättern verziert waren, und erinnerte damit deutlich an seine Vorzeigeleistung. Laut dem Asia Cannabis Report waren seine ursprünglichen Motive teilweise pragmatisch: die Überbelegung von Gefängnissen durch kleinere Drogendelikte zu reduzieren und neue wirtschaftliche Möglichkeiten in den ländlichen Regionen, insbesondere im Isan, der Hochburg des Bhumjaithai, zu schaffen.
Jetzt, da er das höchste Amt bekleidet, könnte sich diese Kontinuität in der Cannabispolitik als entscheidend erweisen. In einer Analyse heißt es: „Im Gegensatz zu anderen Ländern, in denen die Legalisierung von Cannabis mit politischer Unsicherheit konfrontiert ist, hat Thailand nun seinen wichtigsten Architekten der Cannabisreform im höchsten Amt“.
Ein explodierender Cannabismarkt
Der politische Kontext kreuzt sich mit der Wirtschaftsgeschichte. Der Cannabismarkt in Thailand hat ein starkes Wachstum erlebt. Er wird für das Jahr 2024 auf 1,31 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll zwischen 2025 und 2030 eine jährliche Wachstumsrate von 33 % aufweisen. Einige Prognosen legen sogar nahe, dass der Sektor bis 2030 auf 9,6 Milliarden US-Dollar anwachsen könnte.
Zum Vergleich: Der kanadische Cannabismarkt wurde für das Jahr 2023 auf ca. 3,9 Milliarden US-Dollar geschätzt, während der US-Markt für Erwachsene über 20 Milliarden US-Dollar betrug. Weltweit wird erwartet, dass der Cannabisumsatz von 57,18 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 auf 444,34 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030 steigen wird.
Wenn sich diese Prognosen bestätigen, könnte Thailand etwa 2,2% dieses Weltmarktes erobern und sich damit als größter Einzelmarkt für Cannabis außerhalb Nordamerikas und Europas positionieren.
Diese Zahlen erklären die Bedeutung von Anutins Anwesenheit an der Spitze der Regierung. Die Cannabiswirtschaft des Landes erwirtschaftete im ersten Jahr nach der Entkriminalisierung Einnahmen in Höhe von 28 Milliarden Thai Baht (750 Millionen Euro), und diese Zahl wird sich kurzfristig fast verdoppeln. Tausende Landwirte, Einzelhändler und sogar der Tourismussektor sind nun vom aktuellen Rechtsrahmen abhängig.
Zwischen politischer Instabilität und wirtschaftlichem Pragmatismus
Trotz ihres parlamentarischen Sieges steht die Regierung Anutin auf wackligen Füßen. Er stützt sich auf ein zeitlich begrenztes Bündnis mit ideologischen Rivalen, die erwarten, dass er Neuwahlen ausruft. Das Versprechen einer Verfassungsreform fügt eine weitere Schicht der Unsicherheit hinzu.
Doch für viele Thais erscheint der Cannabissektor bereits als seltener Hoffnungsschimmer. Neben seiner Rolle in der Landwirtschaft und im Tourismus ist er zu einem Instrument der Soft Power geworden. Thailand ist nun das erste Land, das diese Initiative in Asien ergriffen hat, einem Kontinent, in dem die meisten Regierungen strenge Verbote aufrechterhalten.
Nachbarländer wie Malaysia, Indonesien und Philippinen verhängen weiterhin harte Strafen für den Besitz, während Japan und Südkorea eine sehr begrenzte medizinische Nutzung erlauben und den Freizeitkonsum verbieten.
Thailands frühe Initiative verschafft ihm einen Vorreitervorteil: Es zieht bereits Cannabis-Tourismus, ausländische Investitionen und internationale Partnerschaften an. Unabhängig davon, ob Anutin nach den nächsten Wahlen Premierminister bleibt oder nicht, ist es unwahrscheinlich, dass die Industrie einen Rückzieher machen wird.
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