140 Produkte, 600 Verkaufsstellen: Der Markt für medizinisches Cannabis in Marokko entwickelt sich weiter
Fünf Jahre nach der Verabschiedung des Gesetzes Nr. 13-21, treibt Marokko den Ausbau seines legalen Cannabis-Sektors weiter voran. Das Land gab bekannt, dass es mehr als 140 Cannabisprodukte registriert hat, die von marokkanischen Pharmaunternehmen hergestellt und von der marokkanischen Arzneimittel- und Gesundheitsproduktbehörde (AMMPS) zugelassen wurden.
Laut Mohamed El Guerrouj, Generaldirektor der Nationalen Regulierungsbehörde für Cannabis-bezogene Aktivitäten (ANRAC), sind diese Produkte bereits in mehr als 600 zugelassenen Verkaufsstellen im gesamten Königreich erhältlich. Diese Ankündigung erfolgte im Rahmen der ersten wissenschaftlichen Konferenz zum therapeutischen Einsatz von Cannabis, die von der ANRAC und der Marokkanischen Gesellschaft für Medizinische Wissenschaften (SMSM) in Rabat organisiert wurde.
Ein Sektor, der nach wie vor weitgehend vom Anbau getragen wird
Der Ausbau des legalen Cannabisanbaus steht weiterhin im Mittelpunkt der marokkanischen Strategie. Nach Angaben der ANRAC produzierte das Land im Jahr 2025 fast 2.000 Tonnen getrocknetes Cannabis, 10 % mehr als im Vorjahr.
Auch das Lizenzvergabesystem wird weiter ausgebaut. Insgesamt wurden für die Saison 2025 5.765 aktive Lizenzen registriert, darunter 5.492 Anbaugenehmigungen, von denen mehr als 5.300 Landwirte profitieren. Weitere Lizenzen betreffen die Verarbeitung, den Transport, die Vermarktung sowie den Export und Import von Saatgut.
Für die marokkanischen Behörden zeugen diese Zahlen vom schrittweisen Übergang von einer historisch informellen Cannabiswirtschaft hin zu einer regulierten und rückverfolgbaren Industrie. Das Ziel besteht nicht nur darin, den Landwirten in den traditionellen Anbaugebieten legale Möglichkeiten zu bieten, sondern auch ein Ökosystem zu schaffen, das den pharmazeutischen Standards und den Anforderungen des internationalen Marktes gerecht wird.
Der Sektor konzentriert sich heute nach wie vor stark auf die landwirtschaftliche Produktion. Während sich der Anbau strukturiert, stecken die Verarbeitung und die Entwicklung von therapeutischen Produkten mit hoher Wertschöpfung noch in den Kinderschuhen.
Forschung und medizinische Akzeptanz bleiben große Herausforderungen
Trotz der steigenden Zahl zugelassener Produkte, erkennen marokkanische Entscheidungsträger an, dass die therapeutische Nutzung von medizinischem Cannabis in Marokko nach wie vor begrenzt ist.
Laut Mohamed El Guerrouj müssen Gesundheitsfachkräfte und Forscher eine wichtigere Rolle bei der Erforschung neuer medizinischer Anwendungsmöglichkeiten für Behandlungen auf Cannabisbasis spielen. Er erklärte, dass verschreibende Ärzte, Wissenschaftler und Berufsverbände entscheidend dazu beitragen, den Zugang für Patienten zu erweitern und zugelassenen Produzenten langfristige wirtschaftliche Perspektiven zu sichern.
Im Verlauf der Konferenz betonten die Teilnehmer die Notwendigkeit einer solideren wissenschaftlichen Grundlage zur Unterstützung des Sektors. Zu den Empfehlungen gehörten die Erstellung einer nationalen Liste therapeutischer Indikationen, die Ausarbeitung von Behandlungsprotokollen und klinischen Leitlinien für medizinisches Fachpersonal sowie die Einrichtung einer Beobachtungsstelle zur Nachverfolgung von Patienten.
Die Veranstaltung hob zudem die Bedeutung der klinischen und pharmakologischen Forschung hervor, um die Wirksamkeit und Sicherheit legaler Cannabisprodukte zu bewerten.
Ausbildung und Innovation als Kern des zukünftigen Wachstums
Um die Entwicklung der Branche zu fördern, wurden auf der Konferenz zwei neue Partnerschaften angekündigt. Die erste sieht die Einrichtung eines Forschungspreises für die therapeutische Nutzung von Cannabis vor, während die zweite ein akademisches und berufliches Zertifizierungsprogramm mit Schwerpunkt auf medizinischem Cannabis ins Leben rufen wird.
Diese Ausbildungsinitiative wird in Zusammenarbeit mit der Fakultät für Medizin und Pharmazie in Casablanca der Universität Hassan II entwickelt.
Für Moulay Saïd Afif, Präsident der SMSM, ist Marokko in diesem Bereich bereits zu einer Referenz geworden. Seiner Ansicht nach gilt der rechtliche Rahmen des Landes in Bezug auf den Anbau, die Verarbeitung und die medizinische Nutzung von Cannabis zunehmend als eines der Vorzeigemodelle des Kontinents.
Die Herausforderung für Marokko besteht heute darin, über den Anbau hinauszugehen und eine vollständig integrierte Wertschöpfungskette aufzubauen, die pharmazeutische Qualitätsstandards erfüllt und eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung gewährleistet. Auf diese Weise könnte sich das Königreich als einer der fortschrittlichsten Märkte für medizinisches Cannabis in Afrika etablieren.
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