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In Brasilien wird über einen THC-Grenzwert von 1 % für Hanf diskutiert

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Hanf mit 1 % THC in Brasilien
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In Brasilien stellt eine Koalition aus Forschern und Akteuren der Branche den derzeitigen Grenzwert von 0,3 % THC für Industriehanf in Frage und argumentiert, dass dieser wissenschaftlich überholt und für tropische Anbaubedingungen. Die Debatte konzentriert sich nun auf eine mögliche Überarbeitung des nationalen Rechtsrahmens, wobei Vorschläge von 0,5 bis 1 % THC „im Freiland“ im Raum stehen.

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Im Mittelpunkt dieser Hinterfragung steht der Technische Vermerk Nr. 01/2026, ein von Embrapa, HempTech Brasil und dem Ficus Institute erarbeitetes Dokument, das die Relevanz des weit verbreiteten Referenzwerts von 0,3 % THC als universellen wissenschaftlichen Standard in Frage stellt.

Wie unter CannaReporter berichtet, sind die Autoren der Ansicht, dass diese Regel „nicht als wissenschaftliches Dogma oder universeller Standard betrachtet werden sollte“, und fordern eine Regulierung, die besser auf die agronomischen und klimatischen Gegebenheiten Brasiliens abgestimmt ist.

Die Herausforderungen des tropischen Klimas und die agronomischen Grenzen

Eines der zentralen Argumente der Forscher ist, dass das tropische Klima Brasiliens die Entwicklung von Hanfpflanzen im Vergleich zu gemäßigten Regionen wie Europa oder Nordamerika grundlegend verändert.

In dem Dokument wird erläutert, dass die kürzeren Tageslichtzyklen in tropischen Breitengraden photoperiodeempfindliche Pflanzen wie Hanf beeinflussen, wodurch die Blüte beschleunigt und die Bildung von Cannabinoiden beeinträchtigt wird. Wie es in dem Bericht heißt:

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„Da Brasilien ein tropisches Land ist, wirkt sich die kürzere Tageslichtdauer direkt auf Hanf aus, eine Pflanze, die sehr empfindlich auf die Photoperiode reagiert. Unter diesen Bedingungen neigt die Pflanze dazu, früher zu blühen, was nicht nur ihre Größe und ihren Biomasseertrag verringert, sondern auch die Ausprägung ihrer chemischen Eigenschaften verändert, was zu natürlichen und unvermeidbaren Schwankungen der Cannabinoidgehalte, einschließlich THC, führen kann.“

Den Autoren zufolge erschwert diese biologische Variabilität in der Praxis die strikte Anwendung eines Grenzwert von 0,3 % THC für Industriehanf in der Praxis erschwert, was die Rechtsunsicherheit für Landwirte erhöht und die Gefahr birgt, dass Ernten aufgrund geringfügiger natürlicher Schwankungen vernichtet werden.

Sie argumentieren zudem, dass die aktuellen Vorschriften die genetische Innovation einschränken könnten, wodurch die Erzeuger weiterhin von ausländischen Sorten abhängig blieben, die nicht für tropische Boden- und Klimabedingungen optimiert sind.

Von 0,3 % bis 1 % THC

Während die Vereinigten Staaten und der Großteil der Länder der Europäischen Union einen THC-Grenzwert von 0,3 % für Hanf beibehalten, weist die brasilianische Wissenschafts- und Industriegemeinschaft darauf hin, dass dieser Standard bei weitem nicht universell ist.

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Mehrere Länder haben bereits höhere Grenzwerte eingeführt: Argentinien, Uruguay und die Tschechische Republik erlauben bis zu 1 % THC, während Paraguay den Grenzwert auf 0,5 % festlegt. Am oberen Ende der Skala erlaubt Südafrika bis zu 2 % THC in Industriehanf.

Im weiteren lateinamerikanischen Kontext unterscheidet auch Kolumbien zwischen den Verwendungszwecken und erlaubt bis zu 1 % THC für die Cannabinoidextraktion bei der Blütenproduktion.

Ein zweites Leitliniendokument, das an brasilianische Interessengruppen verteilt wurde, bekräftigt den Trend hin zu einem THC-Grenzwert von 1 % für Hanf im „Freilandanbau“. Das Argument ist nicht nur agronomischer, sondern auch wirtschaftlicher Natur: Höhere THC-Gehalte in Hanf gehen oft mit höheren CBD-Erträgen einher, was die Effizienz der Extraktion verbessert und die Wettbewerbsfähigkeit Brasiliens auf einem schnell wachsenden Weltmarkt stärkt.

Regulatorische Unsicherheit und der Weg zur Reform

Obwohl Brasilien noch nicht über eine vollständig regulierte Hanfindustrie verfügt, genehmigt die Anvisa derzeit den Anbau von Cannabispflanzen mit einem THC-Gehalt von bis zu 0,3 % für medizinische und wissenschaftliche Zwecke, vor allem zur Herstellung von CBD.

Experten warnen, dass die Beibehaltung des derzeitigen Grenzwerts zu Instabilität für die zukünftige industrielle Entwicklung führen könnte. Dem technischen Vermerk zufolge können starre Grenzwerte zu Risiken bei der Rechtsdurchsetzung führen, wie beispielsweise die Beschlagnahmung von Ernten, wenn die Pflanzen aufgrund natürlicher Schwankungen der Cannabinoidwerte den gesetzlichen Grenzwert geringfügig überschreiten.

Der Bericht weist zudem auf weiterreichende strategische Auswirkungen hin: Ohne eine Anpassung der Vorschriften läuft Brasilien Gefahr, seine Wettbewerbsfähigkeit in der aufstrebenden globalen Hanfwirtschaft zu verlieren, zumal andere Länder ihre Grenzwerte weiterhin nach oben anpassen.

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