Amsterdam: Stadtrat lehnt Verbot von Touristen in Coffeeshops ab
Die Spannung hatte mehrere Wochen gedauert. Nach den Amsterdamer Kommunalwahlen vom 18. März 2026, die einen politischen Umschwung hin zu einem Verbot von Touristen in Coffeeshops befürchten ließen, hat der Stadtrat nun eine Entscheidung getroffen: Ausländische Besucher dürfen die Lokale der Stadt weiterhin ungehindert aufsuchen. Eine Entscheidung, die mit Erleichterung und Begeisterung begrüßt wurde.
Eine ernsthafte Bedrohung
Seit Herbst 2025 schwebte das Gespenst des Verbots über Amsterdam. Die PvdA hatte im Oktober einen ersten formellen Versuch unternommen, der jedoch erfolglos blieb. Doch die Wahlen im März 2026 hatten die Befürchtungen wieder aufleben lassen: Eine neue Mehrheit schien möglich, einschließlich Parteien, die bereit waren, Coffeeshops für Nichtansässige zu schließen. Die VVD unter der Führung von Daan Wynands drängte aktiv in diese Richtung.
Letztendlich war es die Koalition aus JA21, GroenLinks, Volt und D66, die das Zünglein an der Waage spielte. Die Abstimmung im Stadtrat schließt dieses von der gesamten Branche befürchtete Szenario zumindest vorerst aus.
Kurz nach der Bekanntgabe veröffentlichte Arjan, CEO von Greenhouse, einem der symbolträchtigsten Einzelhändler der niederländischen Hauptstadt, eine Videobotschaft auf Instagram, in der er sichtlich erleichtert war. „Wir haben den Kampf um die Sicherheit auf den Straßen von Amsterdam gewonnen. Die Coffeeshops werden für alle Touristen geöffnet bleiben“, sagte er und forderte seine Follower auf, die Nachricht „sofort in der weltweiten Cannabiswelt“ zu verbreiten.
Arjan nahm gegenüber den Befürwortern des Verbots kein Blatt vor den Mund, bezeichnete den Versuch der VVD als „riesigen Fehler“ und brachte seine Enttäuschung über Mbarki (PvdA) zum Ausdruck: „Er versteht doch sehr gut, wie die Straße funktioniert.“
Der Greenhouse-Chef bedankte sich auch bei seinem Partner Joa, der angeblich monatelang hinter den Kulissen Druck ausgeübt hatte, um die Maßnahme zu verhindern. Und um daran zu erinnern, dass diese Art von Armdrücken nicht neu ist: Bereits vor vier Jahren hatte Bürgermeisterin Femke Halsema einen ähnlichen Vorstoß unternommen, allerdings ohne Erfolg.
Sicherheitsargumente haben gewogen
Hinter dem politischen Sieg verbirgt sich eine Argumentation, die letztlich überzeugte: Das Verbot des Zugangs von Touristen zu Coffeeshops beseitigt die Nachfrage nicht, sondern verlagert sie nur. Zu den Straßendealern, zu einem illegalen Markt ohne Qualitätskontrolle und Gesundheitssicherung.
Dirk Korf, ein auf die Untersuchung von Coffeeshops spezialisierter Kriminologe, hatte dieses Risiko übrigens in einer kürzlich durchgeführten Studie bestätigt: Etwa ein Viertel der ausländischen Touristen gab an, dass sie sich im Falle eines Verbots dem Schwarzmarkt zuwenden würden. Ein Argument, das die Befürworter der Coffeeshops den zögernden Volksvertretern wirksam vor Augen führen konnten.
Mit der Entscheidung des Stadtrats ist die Debatte jedoch nicht beendet. Ein Teil der Niederlande wendet seit 2012 ein „Wohnsitzkriterium“ an, das den Zugang zu Coffeeshops auf registrierte Einwohner beschränkt. Amsterdam bildet hier weiterhin eine wertvolle, aber zunehmend umstrittene Ausnahme.
Dies gilt umso mehr, als sich der europäische Kontext verändert hat. Seit der Teil-Legalisierung in Deutschland im April 2024 müssen deutsche Touristen nicht mehr unbedingt die Grenze überqueren, um legal zu konsumieren. Der mit Cannabis verbundene Touristenstrom erodiert natürlich. Ein Grund mehr, so meinen die Branchenexperten, diesen Rückgang nicht künstlich zu beschleunigen, indem man den Besuchern, die noch reisen, die Tür verschließt.
Für den Moment ist Amsterdam immer noch Amsterdam. Und seine Coffeeshops, die für alle offen sind.
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