Legales Cannabis in Lausanne versetzt dem Schwarzmarkt einen schweren Schlag
Zwei Jahre nach dem Start ihres Pilotprogramms zum geregelten Verkauf von Cannabis berichtet die Stadt Lausanne über erhebliche Auswirkungen sowohl auf die Konsumgewohnheiten als auch auf den lokalen illegalen Handel.
Laut einem diese Woche vorgelegten Zwischenbericht hat die legale Verkaufsstelle Cann-L dazu beigetragen, etwa 2 Millionen Schweizer Franken vom Schwarzmarkt abzuzweigen, und gleichzeitig etwa 20% des Cannabiskonsums in der Hauptstadt Waadt abgedeckt.
Diese Ergebnisse werden als Wendepunkt in den Debatten über die Schweizer Drogenpolitik beschrieben, während Lausanne und seine Partner nun dafür plädieren, den Versuch bis Mitte 2029 fortzusetzen.
Cann-L zieht 1.750 Teilnehmer an und verringert die Abhängigkeit von illegalen Dealern
Seit der Eröffnung im Dezember 2023 hat Cann-L mehr als 1.750 erwachsene Teilnehmer verzeichnet, die alle in Lausanne wohnen und bereits Cannabis konsumieren. Das Programm zielt auf eine breite Bevölkerung ab: Die Teilnehmer sind zwischen 18 und 79 Jahren alt, mit einem Durchschnittsalter von 36 Jahren. Etwa 75 % sind Männer, während die meisten einen Job haben (68 %) oder ein Studium oder eine Ausbildung absolvieren (11 %).
Die Beamten erklären, dass eine große Mehrheit dieser Teilnehmer ihre Einkäufe aus illegalen Quellen reduziert oder aufgegeben hat. Die Stadt schätzt, dass sich etwa 70 % der registrierten Konsumenten vollständig vom Schwarzmarkt abgewandt haben.
„Die Ergebnisse des Cann-L-Projekts sind sehr positiv. Wir haben nicht nur 2 Millionen Franken aus dem illegalen Markt gezogen und decken nun 20 % des Konsums in Lausanne ab, sondern tragen auch dazu bei, die Gesundheit der Teilnehmer zu schützen“, sagte die Stadträtin von Lausanne Emilie Moeschler, in einer Pressemitteilung.
Produkte mit niedrigem THC-Gehalt und Anzeichen für einen Rückgang des Konsums
Abgesehen von den wirtschaftlichen Auswirkungen legt der Bericht aus Lausanne nahe, dass der regulierte Zugang die Menge an konsumiertem Cannabis beeinflussen könnte. Die während der Pilotphase gesammelten Daten zeigen einen „statistisch signifikanten“ Rückgang des Konsumniveaus im Laufe der Zeit. Im Durchschnitt reduzierten die Teilnehmer ihren Konsum um etwa 0,2 Gramm pro Monat, verglichen mit einem anfänglichen monatlichen Durchschnitt von 15,8 Gramm bei Eintritt in das Programm. Auch die Häufigkeit des Konsums soll zurückgegangen sein.
Die Stadt stellt auch einen deutlichen Unterschied in der Stärke der Produkte im Vergleich zu den illegalen Lieferungen fest. Die über Cann-L verkauften Cannabisblüten enthalten einen durchschnittlichen THC-Gehalt von 12,5 %, verglichen mit 14,5 % auf dem illegalen Markt. Bei Harzen weisen die legalen Produkte im Durchschnitt 17,5 % THC auf, während auf dem illegalen Markt Werte von über 32 % erreicht werden.
Diese Zahlen untermauern eines der gesundheitspolitischen Ziele des Programms: reguliertes Cannabis bereitzustellen, dessen Zusammensetzung besser vorhersehbar und dessen Risiken geringer sind.
Gesundheitsüberwachung und wirtschaftliche Vorteile für die Stadt
Die Behörden heben auch neue gesundheitsbezogene Verhaltensweisen der Teilnehmer hervor. Laut den veröffentlichten Ergebnissen suchten fast 100 Teilnehmer zum ersten Mal aus eigener Initiative einen Arzt wegen ihres Cannabiskonsums auf. 131 weitere kauften einen Vaporizer, was auf eine Entwicklung hin zu potenziell weniger schädlichen Konsummethoden hindeutet.
Auch aus finanzieller Sicht generiert das Pilotprojekt messbare Erträge. Bis 2025 hat Cann-L den Bundesbehörden über 60.000 CHF an Mehrwertsteuer eingebracht, sowie etwa 300.000 CHF Überschuss, der in lokale Präventionsprogramme oder in die Forschung reinvestiert werden kann.
Die Stadt gibt außerdem an, dass das Projekt mehrere Arbeitsplätze geschaffen hat, die direkt oder indirekt mit dem geregelten Verkaufsrahmen zusammenhängen.
Lausanne fordert die Schweizer Behörden auf, den Versuch bis 2029 zu verlängern
Da der Zwischenbericht als ermutigend eingestuft wurde, haben Lausanne und Schweizer Sucht das Bundesamt für Gesundheit (BAG) offiziell darum gebeten, die Fortsetzung des Versuchs bis Mitte 2029 zu genehmigen.
„Neben seinem bedeutenden Einfluss auf den illegalen Markt ermöglicht uns Cann-L, den Cannabiskonsum besser anzugehen“, sagte Pierre-Antoine Hildbrand, Stadtrat von Lausanne.
Die Projektleiter sagen, dass die Ergebnisse Licht in die nationalen Diskussionen in Bern bringen sollen, während die Schweiz ihren zukünftigen Regulierungsrahmen vorbereitet. Das gemeinnützige und stark auf die öffentliche Gesundheit ausgerichtete Modell von Cann-L soll dazu beigetragen haben, den Entwurf für ein Bundesgesetz über Cannabis, bekannt als LPCan, zu formen.
Vorerst stärkt die Erfahrung in Lausanne das Argument, dass der legale und regulierte Verkauf von Cannabis illegale Netzwerke schwächen kann und gleichzeitig den Behörden bessere Instrumente für Prävention, Forschung und Verbraucherschutz zur Verfügung stellt.
Diese ersten Ergebnisse spiegeln auch die jüngsten Ergebnisse eines Berichts der OFDT wider, in dem untersucht wird, wie die Schweiz lokale Pilotprojekte wie Cann-L als schrittweisen Ansatz zur Schaffung eines künftigen nationalen Rahmens für die Regulierung von Cannabis nutzt.
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