Deutscher Drogenbeauftragter öffnet Tür für Cannabis-Pilotläden
Der deutsche Bundesdrogenbeauftragte, Hendrik Streeck, wurde das erste prominente Mitglied der konservativen Partei CDU, das öffentlich Pilotprojekte zum regulierten Verkauf von Cannabis unterstützt. In Interviews mit dem deutschen Medium RND, die von CannabisIndustrie.nl weitergeleitet wurden, sagte Streeck, er könne Experimente mit einem legalen Vertrieb in begrenztem Umfang unterstützen, jedoch nur unter „sehr strengen Bedingungen“.
Dieser Vorschlag markiert eine bemerkenswerte Veränderung innerhalb der CDU, einer Partei, die weitgehend die teilweise Legalisierung von Cannabis kritisiert hat, die in Deutschland 2024 unter der vorherigen Koalitionsregierung verabschiedet wurde. Während mehrere konservative Politiker die Aufhebung des Gesetzes forderten, plädierte Streeck stattdessen für einen pragmatischeren Ansatz, der auf den derzeitigen Konsumgewohnheiten in Deutschland beruht.
„Etwa fünf Millionen Menschen in Deutschland konsumieren regelmäßig Cannabis. Das können wir nicht ignorieren“, sagte Streeck.
Der Drogenbeauftragte machte jedoch deutlich, dass er keinen großen kommerziellen Markt ähnlich denen, die in Kanada oder in einigen US-Bundesstaaten beobachtet werden, unterstützt. Seiner Meinung nach sollte jedes Pilotprojekt Werbung verbieten, eine „Normalisierung“ des Cannabiskonsums verhindern und junge Erwachsene vom legalen Zugang ausschließen.
Streeck schlug einen maximalen Kauf von fünf Gramm pro Transaktion, den Verkauf nur an Erwachsene ab 25 Jahren sowie eine obligatorische wissenschaftliche Begleitung während der gesamten Projektlaufzeit vor.
Bedenken über den Markt für medizinisches Cannabis
Ein Großteil von Streecks Argumentation bezieht sich auf das, was er als denwachsenden Missbrauch des deutschen Systems für medizinisches Cannabis zu Freizeitzwecken beschreibt.
Dem CDU-Politiker zufolge haben Online-Rezeptplattformen zur Entstehung eines „gefährlichen Mischmarktes“ beigetragen, in dem Freizeitkonsumenten zunehmend über medizinische Kanäle Zugang zu Cannabis erhalten. Streeck warnte, dass diese Situation die Jugendschutzmaßnahmen schwäche und die Legitimität eines echten medizinischen Zugangs untergrabe.
„Die medizinische Versorgung und der Freizeitgebrauch müssen klar getrennt bleiben“, sagte er.
Die Debatte findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem das deutsche Gesundheitsministerium einen starken Anstieg der Importe von medizinischem Cannabis gemeldet hat. Nach Angaben des Ministeriums stiegen die Importe in der zweiten Jahreshälfte 2024 um 170% im Vergleich zur ersten Jahreshälfte. Gleichzeitig stiegen die von der staatlichen Krankenversicherung erstatteten Verschreibungen nur um 9%, was den Verdacht nährt, dass viele Verschreibungen für den nicht-medizinischen Gebrauch bestimmt sind.
Als Reaktion darauf hat die deutsche Gesundheitsministerin, Nina Warken, strengere Regeln für die Verschreibung von medizinischem Cannabis vorgeschlagen. Ihr Gesetzentwurf würde persönliche Beratungen vor der Verschreibung von Cannabisblüten verlangen und den Vertrieb über den Versandhandel verbieten.
Der Vorschlag wurde bislang von der SPD blockiert, die argumentiert, dass solche Einschränkungen die berufliche Autonomie der Ärzte und die Wahlfreiheit der Patienten untergraben würden. Die Sozialdemokraten sind außerdem der Ansicht, dass ein Verbot des Versandhandels mit den EU-Vorschriften über den freien Dienstleistungsverkehr in Konflikt geraten könnte.
Forderungen nach Anpassungen der deutschen Cannabis-Gesetzgebung
Über die Pilotprojekte hinaus forderte Streeck auch die Überprüfung mehrerer Aspekte des derzeitigen deutschen Rechtsrahmens zur Cannabislegalisierung.
Er argumentierte, dass die derzeitige Besitzgrenze von 25 Gramm zu hoch sei und die Abzweigung in den illegalen Markt erleichtern könnte. Er stellte auch die Regel in Frage, nach der Erwachsene bis zu drei Pflanzen zu Hause anbauen dürfen, und behauptete, dass die daraus resultierenden Ernten das realistische Maß des Eigenkonsums bei weitem übersteigen könnten.
Gleichzeitig räumte Streeck ein, dass die stark regulierten deutschen Anbauverbände möglicherweise zu restriktiv sind, um effektiv zu funktionieren.
„Wenn die Anbauverbände so komplex reguliert sind, dass sie kaum funktionieren, führt das nicht zu einer Kontrolle, sondern zu einer Umgehung“, sagte er.
Deutschland hat den persönlichen Besitz, den Anbau zu Hause und gemeinnützige Cannabisvereine im April 2024 legalisiert. Eine zweite Phase der Reform, die ursprünglich von der alten Koalitionsregierung geplant war, sollte regionale Pilotprojekte für den kommerziellen Verkauf unter Lizenz beinhalten. Die erforderlichen Regelungen wurden jedoch nie umgesetzt.
Infolgedessen ist der legale Einzelhandel in Deutschland weiterhin verboten, was viele erwachsene Konsumenten in medizinische Verschreibungen oder den illegalen Markt treibt.
Streeck sprach sich auch für strengere Regeln für den Konsum in der Öffentlichkeit aus und sagte, dass der Konsum von Cannabis in Fußgängerzonen, auf Märkten oder an Orten, die von Kindern frequentiert werden, nicht sichtbar sein sollte.
Trotz der anhaltenden politischen Kritik sollen jüngste Zwischenevaluierungen des deutschen Cannabisgesetzes zu dem Schluss gekommen sein, dass mehrere befürchtete negative Folgen nicht eingetreten sind. Die Bewertungen empfahlen jedoch eine strengere Überwachung von medizinischem Cannabis und flexiblere Regeln für Anbauverbände.
Gleichzeitig entstehen weiterhin neue Pilotinitiativen in Städten wie Wiesbaden und Neuss, was die Debatte über die Zukunft des regulierten Verkaufs von Cannabis in Deutschland lebendig hält.
-
Cannabis in Österreich3 Wochen agoÖsterreichisches Gericht versetzt dem geplanten Tabakmonopol auf Hanfblüten einen ersten Schlag
-
Cannabis für den Freizeitgebrauch4 Wochen agoLegales Cannabis in Lausanne versetzt dem Schwarzmarkt einen schweren Schlag
-
Cannabis in Frankreich4 Wochen agoSnoop Dogg lädt sich bei Carrefour ein: Dr. Bombay-Eis kommt nach Frankreich
-
Business3 Wochen agoCuraleaf erweitert seine Aktivitäten in Europa durch die vollständige Übernahme von Four 20 Pharma
-
Business3 Wochen agoDeutschland: Experimenteller Cannabisladen bald in der Nähe von Düsseldorf?
-
Cannabis für den Freizeitgebrauch1 Woche agoKolumbien kurbelt Legalisierung von Cannabis mit neuem Gesetzesentwurf an
-
Cannabis in Frankreich3 Wochen agoMedizinisches Cannabis: 92% der Franzosen dafür, 100% der Franzosen ohne Zugang
-
Cannabis in Spanien4 Wochen agoSpannabis Champions Cup 2026: Die Ergebnisse aus Bilbao

