Französisch-Polynesien ist nach monatelanger Verzögerung endlich bereit, sein Pilotprogramm für „medizinisches Cannabis“ zu starten
Nach mehr als einem Jahr Verzögerung bereitet sich Französisch-Polynesien nun endlich darauf vor, sein Pilotprogramm zum Anbau von medizinischem Cannabis zu starten. Die Behörden haben bestätigt, dass die Schulung der neun ausgewählten Anbauer Anfang August beginnen wird, während der Erlass zur Genehmigung des Anbaus demnächst dem Ministerrat vorgelegt werden soll. Sofern die letzten Verwaltungsschritte fristgerecht abgeschlossen werden, werden die ersten Ernten nun für April 2027 erwartet.
Dieses Projekt, das die Machbarkeit einer lokalen Produktion von Cannabis mit niedrigem THC-Gehalt (-0,3 %) für medizinische Zwecke bewerten soll, wurde wiederholt verschoben, obwohl es ursprünglich für Mitte 2025 geplant war. Die Behörden versichern nun, dass die regulatorischen und technischen Hindernisse, die diese Initiative gebremst hatten, größtenteils beseitigt wurden.
Ein strenger regulatorischer Rahmen vor der Anpflanzung
An dem Pilotprogramm werden neun Erzeuger, die aus rund sechzig Bewerbern aus den meisten Inselgruppen Französisch-Polynesiens ausgewählt wurden. Jeder Teilnehmer erhält 500 zertifizierte Samen und wird eine Fläche von maximal 1.500 Quadratmetern bewirtschaften, entweder im Freiland oder in geeigneten Gewächshäusern.
Von Anfang an haben die Behörden strenge Zulassungskriterien festgelegt. Die Teilnehmer mussten etablierte Landwirte sein, die über geeignete Flächen verfügen, die abseits von öffentlichen Straßen, Schulen und Kultstätten liegen und gleichzeitig die Anforderungen an Sicherheit und Rückverfolgbarkeit erfüllen. Die Anbauflächen müssen zudem vor neugierigen Blicken geschützt sein.
Laut Landwirtschaftsminister Taivini Teai erforderte die Gewährleistung der Einhaltung des gesetzlichen THC-Grenzwerts zusätzliche Vorarbeiten, bevor mit dem Anbau begonnen werden konnte.
„Wir haben die Samen identifiziert, bei denen am ehesten ein THC-Gehalt von unter 0,3 % zu erwarten ist. Außerdem haben wir unser Personal im Landwirtschaftsministerium geschult“, erklärte er gegenüber Nouvelles Calédoniennes.
Die Behörden wollten zudem die Zuverlässigkeit der Laboranalysen sicherstellen, bevor das Saatgut an die Anbauer verteilt wurde.
Monatelange Verzögerungen haben das Projekt gebremst
Im Februar 2026 kündigten die Verantwortlichen an, dass die Pilotphase nach mehrmonatiger Vorbereitung im ersten Halbjahr beginnen würde. Damals hatte das Landwirtschaftsministerium mitgeteilt, dass die Schulungsprogramme, die Inspektionen und die Modernisierung der Infrastruktur fast abgeschlossen seien.
Das Projekt wird vom Landwirtschaftsministerium (DAG) in Zusammenarbeit mit dem Institut Louis-Malardé (ILM), das für die Analyse der Proben und die Überwachung der Cannabinoidgehalte während des gesamten Anbaus zuständig ist. Das Institut wird überprüfen, ob die ausgewählten Sorten stets unter dem gesetzlichen Grenzwert von 0,3 % THC bleiben, und gleichzeitig beobachten, wie das lokale Klima und die Bodenbeschaffenheit die CBD- und THC-Konzentrationen beeinflussen.
Trotz optimistischer Ankündigungen geriet das Programm schnell ins Stocken. Die ursprünglich für April geplanten Schulungen wurden verschoben, ohne dass ein neuer Termin bestätigt wurde, während der für die Genehmigung des Anbaus erforderliche Erlass noch immer nicht unterzeichnet worden war. Im Juli waren noch immer keine Samen verteilt worden, was Kritik hinsichtlich der wachsenden Diskrepanz zwischen politischen Ankündigungen und deren Umsetzung hervorrief.
Diese Verzögerungen fielen zudem mit Veränderungen im Landwirtschaftsministerium zusammen, insbesondere mit dem Rücktritt seines Direktors vor dem Hintergrund interner sozialer Konflikte, was die Unsicherheit hinsichtlich des Zeitplans des Programms noch verstärkte.
Erste Ernten werden für April 2027 erwartet
Ende Juli gab die Regierung bekannt, dass die letzten Hindernisse endlich aus dem Weg geräumt worden seien. Die Schulung der Landwirte soll unverzüglich beginnen, während sich der entsprechende Erlass laut Angaben „in Ausarbeitung“ befindet, bevor er den Ministern vorgelegt wird.
„Das Programm kann nun endlich starten, und das Saatgut wird an die Landwirte verteilt. Das Ziel ist es, im April die ersten Ernten einzufahren.“
Über die Deckung des künftigen medizinischen Bedarfs hinaus wird das Pilotprogramm auch bewerten, wie sich die ausgewählten Sorten an die unterschiedlichen Umweltbedingungen in Französisch-Polynesien anpassen, insbesondere an die Unterschiede hinsichtlich Feuchtigkeit, Salzgehalt und Bodenbeschaffenheit.
Die Ergebnisse werden darüber entscheiden, ob langfristig ein lokal regulierter CBD-Produktionssektor aufgebaut werden kann. Derzeit beschränkt sich die Initiative noch auf Forschung und Beobachtung, wobei eine kontinuierliche Überwachung die notwendigen wissenschaftlichen und regulatorischen Daten liefern soll, bevor eine Industrie in größerem Maßstab in Betracht gezogen werden kann.
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