Laut einer neuen Studie könnte eine vier Tage dauernde THC-Behandlung Brustkrebs weniger aggressiv machen
Eine neue Studie, die in Communications Biology veröffentlicht wurde, beleuchtet die Rolle des Cannabinoid-Rezeptors CB2 bei Brustkrebs.
Anstatt lediglich zu versuchen, die Tumorzellen zu zerstören, haben die Forscher herausgefunden, dass eine vorübergehende Veränderung der Signalübertragung des CB2-Rezeptors die Krebszellen in einen stärker differenzierten und weniger plastischen Zustand versetzen könnte, was ihre Fähigkeit einschränken könnte, in Gewebe einzudringen, sich zu regenerieren und Metastasen zu bilden.
Diese Ergebnisse sind bislang präklinischer Natur und stammen hauptsächlich aus dreidimensionalen Tumororganoiden und Versuchen an Mäusen, ergänzt durch weitere Experimente mit Organoiden, die aus menschlichen Brusttumoren gewonnen wurden.
Die Fähigkeit des Krebses, seine Identität zu ändern, ins Visier nehmen
Eines der Hindernisse bei der Krebsbehandlung ist die Zellplastizität: Tumorzellen können ihren biologischen Zustand verändern, insbesondere indem sie Eigenschaften von Zellstämmen annehmen, die mit Resistenz und metastatischem Fortschreiten verbunden sind. Die Forscher wollten herausfinden, ob das Endocannabinoidsystem, insbesondere der CB2-Rezeptor, diesen Prozess beeinflussen kann.
Ihre Experimente konzentrierten sich auf Brusttumor-Organoide, die vier Tage lang einer sehr geringen Konzentration (10 nanomolar) von THC ausgesetzt waren, gefolgt von einer cannabinoidfreien Phase.
Anstatt die zytotoxische Wirkung zu erzeugen, die mit weitaus höheren Konzentrationen einhergeht, führte diese kurze Exposition zu anhaltenden Veränderungen. Die Organoide entwickelten sich zu einem luminalen Phänotyp und zeigten eine geringere kollektive Migration, weniger stammzellartige Eigenschaften und eine verminderte Selbsterneuerungsfähigkeit. Vorläufige Experimente an Brustkrebs-Organoiden von Patientinnen führten zu vergleichbaren phänotypischen Veränderungen.
Die Unterscheidung ist wichtig: Die vorgeschlagene Strategie besteht nicht in erster Linie darin, Krebszellen mithilfe von Cannabinoiden zu zerstören. Vielmehr geht es darum, ihre Fähigkeit einzuschränken, von einem Zellzustand in einen anderen überzugehen.
CB2 scheint der entscheidende Cannabinoidrezeptor zu sein
Die Experimente deuten darauf hin, dass der CB2-Rezeptor und nicht der CB1-Rezeptor, der Rezeptor, der enger mit den psychotropen Wirkungen von Cannabis assoziiert ist, eine zentrale Rolle spielt.
Die Forscher testeten mehrere Cannabinoidverbindungen und synthetische Liganden. Insbesondere der SR2, ein auf CB2 gerichteter inverser Agonist, reproduzierte die wichtigsten bei THC beobachteten Effekte, darunter eine verminderte Migration und Selbsterneuerung. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Störung der grundlegenden Signalübertragung des Rezeptors wichtiger sein könnte als dessen bloße Aktivierung.
Die zellulären Veränderungen erwiesen sich zudem als außergewöhnlich langanhaltend. Nach der Transplantation von mit THC vorbehandelten Organoiden in Mäuse zeigten diese eine verminderte Fähigkeit zur Tumorentstehung und ein verlangsamtes Tumorwachstum. In einem weiteren Experiment an Mäusen bildeten die vorbehandelten Zellen deutlich weniger Mikro- und Makrometastasen in der Lunge.
Die Studie stellt einen Zusammenhang zwischen dieser Persistenz und transkriptioneller und epigenetischer Umgestaltung her und legt nahe, dass eine vorübergehende Modulation des CB2R einen länger anhaltenden biologischen Abdruck auf die Identität der Tumorzellen hinterlassen könnte.
Ein möglicher Zusammenhang mit Tamoxifen
Ein weiteres potenziell bedeutsames Ergebnis betrifft Tamoxifen, eine endokrine Standardtherapie bei hormonsensitivem Brustkrebs.
Die Modulation von CB2 verstärkte die Signalübertragung der Östrogenrezeptoren und versetzte die Organoide in einen Zustand, der gegenüber der endokrinen Therapie empfänglicher zu sein schien. Als die Forscher die Organoide zunächst THC oder SR2 aussetzten und ihnen anschließend Tamoxifen verabreichten, stieg die Empfindlichkeit gegenüber dem Medikament bei mehreren getesteten Konzentrationen an. Auch die Bildung resistenter Kolonien war im Vergleich zur alleinigen Tamoxifen-Behandlung reduziert.
Experimente an Tumororganoiden von Patientinnen zeigten zudem eine verminderte Motilität und Selbsterneuerungsfähigkeit infolge dieses sequenziellen Ansatzes, was ein erster Hinweis darauf ist, dass dieses Phänomen nicht auf ein einziges Mausmodell für Krebs beschränkt ist.
Eine vielversprechende Biologie, aber keine Krebsbehandlung auf Cannabisbasis
Diese Ergebnisse eröffnen einen faszinierenden Forschungsansatz rund um den CB2-Rezeptor und Brustkrebs, doch die Kluft zwischen diesen Experimenten und einer Therapie für Patienten ist nach wie vor beträchtlich.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Forscher eine allmähliche Stabilisierung hin zu einem luminalen Zustand beschreiben und nicht eine vollständige Umwandlung der bösartigen Zellen in normale, differenzierte Zellen. Sie vermuten, dass relativ geringfügige Veränderungen der CB2R-Signalübertragung weitreichendere und sich selbst verstärkende Veränderungen im Tumorverhalten auslösen können.
Derzeit liefern diese Arbeiten eher eine mechanistische Hypothese als einen klinischen Beweis dafür, dass der Konsum von Cannabis oder THC Brustkrebs vorbeugen oder behandeln kann. Weitere Forschungen müssen klären, ob die gezielte Beeinflussung des CB2R sicher und wirksam in Behandlungen für den Menschen umgesetzt werden kann.
-
Business1 Woche agoAustralien: Medizinisches Cannabis im Visier der Behörden nach einem sprunghaften Anstieg der Verschreibungen
-
Cannabis in der Karibik1 Woche agoNach Jahren des Wartens starten die Bahamas nun mit der Pilotphase für medizinisches Cannabis
-
Cannabis in der Schweiz1 Woche agoIn der Schweiz verändert der Verkauf von Cannabis in Apotheken die Konsumgewohnheiten, ohne dass die Konsumhäufigkeit zunimmt
-
Business2 Wochen agoQuick Hit August 2026: Was wir in den letzten Wochen verpasst haben
-
Business1 Woche ago3 französische Unternehmen, die auf Cannabis setzen … im Ausland
-
Cannabis in Frankreich6 Tagen agoIn der Haute-Savoie versucht eine Gemeinde, den Drogenhandel zu bekämpfen … mit Plakaten
-
Cannabis in Costa Rica1 Woche agoCosta Rica weiht sein erstes Labor für medizinisches Cannabis ein
-
Cannabinoide6 Tagen agoKönnte CBN ein alterndes Gehirn schützen? Wissenschaftler entdecken einen vielversprechenden neuen Mechanismus

