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In der Schweiz verändert der Verkauf von Cannabis in Apotheken die Konsumgewohnheiten, ohne dass die Konsumhäufigkeit zunimmt

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Abgabe von Cannabis in Apotheken in der Schweiz
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Kann der regulierte Verkauf von Cannabis in Apotheken die Konsumgewohnheiten der Verbraucher verändern, ohne dass es zu einem Anstieg des Konsums kommt?

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Die ersten Ergebnisse der Schweizer Studie SCRIPT, die in Bern, Biel und Luzern durchgeführt wurde, liefern erste Anhaltspunkte: Nach sechs Monaten hat der legale Zugang zu den Produkten die Konsumhäufigkeit praktisch nicht verändert, scheint jedoch den Übergang zu rauchfreien Konsumformen begünstigt zu haben.

Das von der Universität Bern mit Unterstützung der Universität Luzern durchgeführte Experiment basiert auf einem besonders interessanten Versuchsdesign: 1.177 Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip auf eine Gruppe, die Cannabis sofort in der Apotheke kaufen konnte, und eine Kontrollgruppe aufgeteilt, die sechs Monate warten musste, bevor sie Zugang dazu erhielt.

Die vorgestellten Ergebnisse sind jedoch noch vorläufig. Der Anfang September veröffentlichte Bericht wurde noch nicht einem Peer-Review unterzogen, und die Studie soll bis 2029 fortgesetzt werden.

Ein Schweizer Versuch, der als randomisierte Studie konzipiert ist

SCRIPT, kurz für Safer Cannabis Research In Pharmacies Trial, ist Teil des Schweizer Pilotversuchsprogramms, das durch die Revision des Betäubungsmittelgesetzes ermöglicht wurde. Ziel ist es, die gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen eines regulierten Zugangs zu nichtmedizinischem Cannabis zu untersuchen.

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Das getestete Modell ist bewusst restriktiv gestaltet. Die Produkte werden in neun Apotheken (fünf in Bern, eine in Biel und drei in Luzern) ohne Gewinnabsicht verkauft, und ihr Gehalt an THC darf 20 % nicht überschreiten. Die Abnahmemengen sind zudem auf 2 Gramm THC pro Transaktion und 10 Gramm pro Monat begrenzt. Die Verpackungen sind neutral und Werbung ist verboten.

Das Modell zielt also nicht darauf ab, einen klassischen kommerziellen Markt nachzubilden. Die Apotheken übernehmen zudem eine beratende Rolle im Bereich der Risikominderung, insbesondere hinsichtlich der Konsumformen und der Raucherentwöhnung.

Die untersuchte Population besteht aus bereits regelmäßigen Konsumenten. Das Durchschnittsalter liegt bei 34 Jahren, und 78 % der Teilnehmer sind Männer. Zu Beginn der Studie gaben 52 % an, täglich zu konsumieren, und fast 48 % einmal pro Woche.

Kein sichtbarer Anstieg der Konsumhäufigkeit

Dies war eine der zentralen Fragen des Experiments: Führt ein leichterer Zugang zu legalen und kontrollierten Produkten dazu, dass häufiger konsumiert wird?

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Nach Ablauf der ersten sechs Monate konnte SCRIPTa ein solches Phänomen nicht nachweisen.

Die Konsumhäufigkeit hat sich in beiden Gruppen leicht verändert, doch die Forscher bezeichnen die Unterschiede zwischen ihnen als vernachlässigbar. Mit anderen Worten: Der Zugang zu Apotheken hatte keinen wahrnehmbaren Einfluss auf die Häufigkeit, mit der die Teilnehmer Cannabis konsumieren.

Diese Feststellung ist wichtig, muss jedoch im Rahmen des Experiments interpretiert werden. Die rekrutierten Personen waren bereits vor ihrer Teilnahme regelmäßige Konsumenten. SCRIPT lässt daher nicht erkennen, ob ein vergleichbares Modell, das auf die Gesamtbevölkerung angewendet würde, die Zahl der neuen Konsumenten beeinflussen würde.

Die Veränderung zeigt sich vor allem in der Art des Konsums

Bei den Konsumformen werden die Unterschiede deutlich sichtbarer.

Zu Beginn des Experiments gaben 78 % der Gruppe, die sofortigen Zugang zu Apotheken hatte, an, ihr Cannabis ausschließlich zu rauchen. Sechs Monate später war dieser Anteil auf 58 % gesunken.

Parallel dazu nahmen rauchfreie Konsumformen, insbesondere das Verdampfen und die oral konsumierten Produkten sowie der „Dual-Use“, bei dem gerauchte und rauchfreie Produkte kombiniert werden, an Beliebtheit gewonnen.

In der Kontrollgruppe waren die Veränderungen im gleichen Zeitraum deutlich geringer. Für die Forscher deutet dieser Unterschied darauf hin, dass der regulierte Zugang zu Apotheken zu der beobachteten Veränderung beigetragen hat.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Teilnehmer den Konsum eingestellt haben. Der Anteil der Personen, die aufgehört hatten, war in beiden Gruppen vergleichbar. Der beobachtete Effekt betrifft daher eher die Art des Konsums als den Konsum selbst.

Diese Entwicklung ist für die Forscher von besonderem Interesse, da das Einatmen von Rauch eines der von SCRIPT ins Visier genommenen Gesundheitsrisiken darstellt. Das Experiment verbindet genau diesen Zugang zu verschiedenen Produkten mit einer Beratung, die die Teilnehmer zu potenziell weniger riskanten Konsumpraktiken anleitet.

Blüten sind nach wie vor deutlich in der Mehrheit

Diese Diversifizierung hat die traditionellen Produkte jedoch nicht verdrängt. Nach sechs Monaten gaben 87 % der Teilnehmer mit Zugang zu Apotheken an, die im Rahmen der Studie angebotenen Cannabisblüten konsumiert zu haben. 61 % von ihnen hatten die THC-E-Liquids (bei denen es sich tatsächlich um eine Mischung aus PG/VG, 20 % THC und 10 % CBD handelt und nicht um einen Vape-Pen), 55 % die Harze und 24 % die Tinkturen.

Gemessen am Verkaufsvolumen machen Blüten etwa 65 % der verkauften Produkte aus, gegenüber 21 % für E-Liquids, 11 % für Harze und nur 3 % für Tinkturen.

Das in der SCRIPT-Studie angebotene THC-E-Liquid

Das in der SCRIPT-Studie angebotene THC-E-Liquid

Der Zugang zum regulierten Markt hat zudem den illegalen Markt nicht vollständig ersetzt. Nach sechs Monaten bezogen die Mitglieder der zugelassenen Gruppe immer noch 40 % ihrer Rauchwaren über diesen Markt, gegenüber 51 % über die Studie.

Dieses Ergebnis ist umso interessanter, als SCRIPT eine relativ strenge Preispolitik verfolgt. Die Preise orientieren sich an denen des illegalen Marktes, zu denen eine simulierte Steuer hinzukommt, die insbesondere zur Finanzierung der in Apotheken angebotenen Beratungsleistungen dient.

Die Apotheke wurde insgesamt gut angenommen

Eine weitere Erkenntnis aus dem SCRIPT-Projekt betrifft die Akzeptanz des Vertriebsmodells. Nach sechs Monaten empfanden 87 % der Teilnehmer der zugelassenen Gruppe das Einkaufserlebnis in der Apotheke als angenehm. 71 % zeigten sich zufrieden mit der erhaltenen Beratung und 79 % waren der Meinung, dass ein ausreichendes Maß an Anonymität und Vertraulichkeit gewährleistet sei.

Die parallel durchgeführten qualitativen Interviews lassen mehrere wiederkehrende Argumente erkennen: gleichbleibende Produktqualität, Kenntnis der Zusammensetzung, sicheres Einkaufsumfeld und die Möglichkeit, nicht mehr auf den illegalen Markt zurückgreifen zu müssen.

Auch das Apothekenpersonal bewertet die Erfahrung überwiegend positiv. Die befragten Mitarbeiter beschrieben die Teilnehmer insbesondere als geduldig, offen und gut informiert. Einige erklärten zudem, dass die Gespräche dazu beigetragen hätten, ihre eigenen Vorstellungen von den Verbrauchern zu verändern.

Die Rolle der Apotheke geht somit über die einer reinen Vertriebsstelle hinaus: Die Teilnehmer können dort Informationen zu Produkten, Konsumgewohnheiten, Tabak und Nikotin sowie zu anderen Gesundheitsthemen erhalten.

Der illegale Markt wirft zudem die Frage nach Informationen zum THC auf

Eines der auffälligsten Ergebnisse des Berichts findet sich schließlich in der Analyse von Proben aus dem illegalen Markt.

Die Forscher verglichen die THC-Konzentration, die von den Teilnehmern angenommen wurde, mit der tatsächlich im Labor gemessenen Konzentration. Von 69 analysierten Proben wies nur eine einzige eine angegebene Schätzung auf, die mit der gemessenen Konzentration übereinstimmte.

Diese Diskrepanz unterstreicht einen grundlegenden Unterschied zwischen dem regulierten und dem illegalen Markt: die Möglichkeit, die Zusammensetzung und die Wirkstärke des gekauften Produkts genauer zu kennen.

Ergebnisse, die nicht auf die gesamte Schweizer Bevölkerung hochgerechnet werden dürfen

Die Autoren selbst weisen nachdrücklich auf die Grenzen ihrer Arbeit hin.

SCRIPT umfasst ausschließlich Erwachsene, die bereits regelmäßig Cannabis konsumieren. Die Studie kann daher nicht direkt die Auswirkungen einer Regulierung auf den Einstieg bei Jugendlichen oder bei Personen messen, die kein Cannabis konsumieren. Sie wurde auch nicht konzipiert, um festzustellen, ob ein Apothekensystem den illegalen Markt in großem Maßstab zum Verschwinden bringen oder stark zurückdrängen könnte.

Vor allem sind die im September 2026 vorgestellten Daten noch vorläufig und wurden nicht dem üblichen Peer-Review-Verfahren unterzogen.

Sie liefern dennoch eine erste Momentaufnahme eines Modells zur Cannabisregulierung mit strengen Rahmenbedingungen: In dieser Gruppe regelmäßiger Konsumenten ging ein sechsmonatiger Zugang über Apotheken nicht mit einer Zunahme der Konsumhäufigkeit einher, während eine Verlagerung hin zu rauchfreien Konsumformen beobachtet wurde.

Die Erfahrungen aus der Schweiz lassen daher noch keine endgültigen Aussagen zu allen Fragen im Zusammenhang mit einer künftigen Regulierung zu. Sie liefert jedoch erste konkrete Daten darüber, was ein Modell bewirkt, das regulierten Verkauf, Produktkontrolle, Besteuerung und Risikominderung miteinander verbindet – genau die Parameter, die die Schweiz derzeit zu dokumentieren versucht, bevor sie die weitere Ausrichtung ihrer Cannabispolitik festlegt.

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