USA: Der Kongress lehnt ein Verbot von THC aus Hanf ab
Der Streit um Hanf geht in den Vereinigten Staaten weiter. Das Repräsentantenhaus hat am Dienstag mit 370 zu 48 Stimmen einen Gesetzentwurf verabschiedet, der einen Teil der neuen Bundesbeschränkungen für aus Hanf gewonnene Cannabinoid-Produkte. Der bereits vom Senat gebilligte Text muss nun auf den Schreibtisch von Präsident Donald Trump gelangen.
Der ursprüngliche Zeitplan sah das Inkrafttreten der neuen Vorschriften am 12. November vor. Die Verschiebung um einen Monat stellt die Reform daher nicht in Frage, sondern verschafft den Gesetzgebern zusätzliche Zeit, um einen Rechtsrahmen zu definieren, der ein generelles Verbot ersetzen könnte.
Eine Atempause für den Hanfmarkt
Die im vergangenen Jahr verabschiedete Reform soll die bundesweite Definition von Hanf grundlegend ändern. Sie sieht insbesondere einen Grenzwert von 0,4 Milligramm Gesamt-THC pro Verpackung für Fertigprodukte vor. Dieser Grenzwert könnte zahlreiche Produkte vom Markt ausschließen, die Vollspektrum-CBD enthalten, da diese von Natur aus geringe Mengen an THC enthalten können, ohne dass damit eine berauschende Wirkung beabsichtigt ist.
Die Verschiebung ist jedoch nicht umfassend. Produkte, die Cannabinoide enthalten, die von der Pflanze nicht auf natürliche Weise gebildet werden können, verlieren ab dem 12. November weiterhin ihren Hanfstatus. Die übrigen umstrittenen Bestimmungen, insbesondere diejenigen bezüglich bestimmter natürlich vorkommender, aber durch Umwandlung hergestellter Cannabinoide sowie der neuen THC-Grenze, werden auf den 11. Dezember verschoben.
Diese Unterscheidung ist besonders wichtig für Moleküle wie das Delta-8-THC. Dieses kann zwar natürlich in der Pflanze vorkommen, doch kommerzielle Produkte werden in der Regel aus hanfbasiertem CBD hergestellt. Die Herstellungsmethode wird daher zu einem zentralen Element der künftigen Regulierung.
CBD könnte eines der großen Themen sein
Die Debatte in den USA betrifft nicht mehr nur berauschende Produkte. Der künftige Rechtsrahmen könnte auch Auswirkungen auf den Markt für CBD haben, der bereits seit mehreren Jahren mit einer unvollständigen Bundesregulierung konfrontiert ist.
Das Farm Bill von 2018 hatte den Weg für den bundesweiten Handel mit Hanf geebnet, wobei insbesondere ein Grenzwert von 0,3 % Delta-9-THC zugrunde gelegt wurde. Diese Definition trug anschließend zur Entwicklung eines umfangreichen Marktes für Produkte bei, die berauschende Cannabinoide enthalten, darunter Delta-8-THC, THCA und andere Verbindungen.
Der neue Grenzwert von 0,4 mg pro Verpackung könnte jedoch über das ursprüngliche Ziel der Reform hinausgehen und Produkte aus Vollspektrum-CBD betreffen, die nicht unbedingt die gleichen Eigenschaften wie berauschende Produkte aufweisen.
Die Trump-Regierung selbst hat den Kongress aufgefordert, den Zugang zu bestimmten CBD-Produkten aufrechtzuerhalten. Die US-Regierung hat insbesondere deren Verwendung durch ältere Menschen und andere Verbraucher hervorgehoben, während ein Programm der Centers for Medicare & Medicaid Services (CMS) bereits die Kostenübernahme für bestimmte aus Hanf gewonnene Produkte vorsieht.
THC-haltige Getränke verfügen über einen regulatorischen Rahmen
Unter den Produkten, die derzeit von der Reform bedroht sind, verfügen die niedrig dosierten THC-Getränke über einen der am besten strukturierten Regulierungsvorschläge.
Der Beverage Regulatory Parity Act, der von der Republikanerin Beth Van Duyne und dem Demokraten Greg Landsman vorgelegt wurde, sieht vor, diese Getränke nach einem Modell zu regulieren, das sich am für Alkohol geltenden System orientiert. Der Gesetzentwurf sieht insbesondere ein Mindestalter von 21 Jahren, obligatorische Tests, Bundesgenehmigungen, THC-Grenzwerte, Warnhinweise auf den Verpackungen und eine Bundessteuer vor. Die Bundesstaaten könnten ihre eigenen Beschränkungen beibehalten oder diese Produkte verbieten.
Dieser Vorschlag wird von auf Hanfgetränke spezialisierten Unternehmen sowie von Händlern und Einzelhändler aus der Alkoholbranche.
Termin im Dezember angesetzt
Andere Abgeordnete vertreten andere Ansätze. Der Republikaner Morgan Griffith möchte insbesondere Hanfprodukte für den menschlichen Verzehr einem von der FDA überwachten Rahmen unterwerfen. Sein als „HEMP Act“ bezeichneter Entwurf zielt darauf ab, bundesweite Vorschriften insbesondere hinsichtlich Sicherheit und Vermarktung einzuführen.
Der Abgeordnete Andy Barr arbeitet seinerseits an einem Vorschlag, der darauf abzielt, bestimmte berauschende Cannabinoide auszuschließen und gleichzeitig einen Regulierungsweg für das nicht berauschende CBD beizubehalten.
Die Branche ist jedoch nach wie vor tief gespalten. Chris Lindsey von der American Trade Association for Cannabis and Hemp ist der Ansicht, dass die Verschiebung das Problem lediglich aufschiebt.
„Diese Lücke begünstigt böswillige Akteure, gefährdet die öffentliche Gesundheit und untergräbt die Vorschriften der Bundesstaaten“, erklärte Lindsey. „Wir fordern den Kongress nachdrücklich auf, [diesem Übel] ein Ende zu setzen.“
Für den Kongress wird die neue Frist am 11. Dezember daher entscheidend sein. Die Abgeordneten müssen insbesondere festlegen, wie nicht-berauschende CBD-Produkte geschützt werden sollen, welchen Status Getränke mit geringem THC-Gehalt erhalten sollen und inwieweit die Regulierung auf andere aus Hanf gewonnene Cannabinoide ausgeweitet werden soll.
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