Regelmäßige Cannabiskonsumenten zeigen laut einer neuen Studie keine Beeinträchtigung ihrer Fahrfähigkeiten
Eine neue Studie stellt einen der umstrittensten Aspekte im Kampf gegen das Fahren unter Drogeneinfluss in Frage: die Frage, ob die THC-Grenzwerte im Blut die Beeinträchtigung der Fähigkeiten im wirklichen Leben zuverlässig widerspiegeln.
Die Forscher stellten fest, dass regelmäßige Cannabiskonsumenten 12 bis 15 Stunden nach dem Rauchen keine signifikante Abnahme ihrer simulierten Fahrleistung aufwiesen, obwohl viele von ihnen immer noch Werte über dem gesetzlichen THC-Grenzwert in Großbritannien aufwiesen. Diese Ergebnisse, die vorab im Journal of Cannabis Research veröffentlicht wurden, untermauern das Argument, dass die derzeitige Politik der Verkehrskontrollen und Bluttests Fahrer bestrafen könnte, die in Wirklichkeit nicht betrunken sind.
In der Studie wurden 65 regelmäßige Cannabiskonsumenten mit 65 Nichtkonsumenten verglichen, wobei ein Fahrsimulator zur Bewertung verschiedener Leistungsindikatoren eingesetzt wurde. Die Gruppe der Cannabiskonsumenten hatte im Gegensatz zur Kontrollgruppe am Abend zuvor konsumiert.
„Die Gruppe der regelmäßigen Cannabiskonsumenten zeigte 12 bis 15 Stunden nach ihrem letzten Cannabiskonsum am Vorabend keine signifikante Veränderung ihrer Fahrleistung im Vergleich zur Kontrollgruppe“, so die Schlussfolgerung der Studie. „Die THC-Konzentrationen im Blut und im Speichel sind möglicherweise kein genauer Indikator für das Fahrverhalten“
THC-Konzentrationen über dem gesetzlichen Grenzwert in Großbritannien, aber kein Rückgang der Fahrleistung
Die durchschnittliche THC-Konzentration im Blut der Gruppe, die Cannabis konsumiert hatte, blieb über 2 ng/mL, was dem gesetzlichen Grenzwert im Vereinigten Königreich entspricht. Nach geltendem Recht können Fahrer, die diesen Grenzwert überschreiten, strafrechtlich verfolgt werden, unabhängig davon, ob ihre Fahrweise beeinträchtigt zu sein scheint oder nicht.
Dennoch stellten die Forscher in mehreren Fahrszenarien keinen signifikanten Unterschied zwischen der Gruppe, die Cannabis konsumiert hatte, und der Kontrollgruppe fest.
Die Teilnehmer der Cannabisgruppe konsumierten Produkte mit durchschnittlich 30 % THC und 0,6 % CBD und inhalierten etwa 159 mg THC. Sie wurden mithilfe von vier Simulatorszenarien getestet, die darauf ausgelegt waren, Schlüsselindikatoren wie Geschwindigkeitsregulierung, Reaktionszeit, Folgeabstand und Spurkontrolle zu messen.
Die Forschung konzentrierte sich auf den SDLP (Standardabweichung der Seitenlage), der allgemein als der zuverlässigste Indikator für cannabisbedingte Beeinträchtigungen der Fahrfähigkeit gilt, da er das Ausmaß der „Zickzackbewegungen“ eines Fahrzeugs auf seiner Spur misst.
Überraschenderweise wies die Kontrollgruppe tatsächlich etwas höhere SDLP-Werte auf, sowohl unter Standardfahrbedingungen als auch unter abgelenkten Bedingungen. Diese Unterschiede waren minimal und statistisch nicht signifikant.
Auch andere Parameter, insbesondere die Geschwindigkeit und die Reaktionszeit, zeigten keine Unterschiede. Die Anzahl der Kollisionen war zu gering, um eine aussagekräftige Analyse zu ermöglichen.
Sich „high“ zu fühlen bedeutet nicht, dass man beeinträchtigt fährt
Die Studie ergab eine Diskrepanz zwischen subjektiver Intoxikation und objektiver Fahrleistung. Cannabiskonsumenten berichteten von deutlich höheren selbst eingeschätzten Intoxikationsgraden von etwa 30 von 100 auf visuellen Analogskalen. Sie waren auch der Meinung, dass Cannabis ihr Fahrverhalten stärker beeinflusst hatte als die Kontrollgruppe.
Trotz dieser Wahrnehmung zeigten ihre Leistungen keine messbaren Beeinträchtigungen.
Eine weitere Schlussfolgerung ist, dass die Forscher keine klare Korrelation zwischen dem konsumierten THC-Anteil und den Messungen der Beeinträchtigung des Fahrverhaltens fanden.
Auch der THC-Gehalt im Blut und der THC-Gehalt im Speichel korrelierten nicht mit der Fahrleistung. Die Forscher stellten jedoch einen möglichen Trend bezüglich 11-Hydroxy-THC (11-OH-THC), einem aktiven Metaboliten, fest, obwohl die Beweise nicht schlüssig waren.
Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass ihre Ergebnisse speziell für regelmäßige Konsumenten gelten, d.h. für diejenigen, die Cannabis vier bis sieben Mal pro Woche konsumieren. Viele der Teilnehmer waren tägliche Konsumenten mit durchschnittlich 12 Jahren Cannabiskonsum, was auf ein starkes Toleranzprofil schließen lässt.
Die Forscher warnen, dass Gelegenheitskonsumenten anders reagieren und dauerhaftere Veränderungen erleiden könnten. Sie weisen auch darauf hin, dass Edibles zu länger anhaltenden THC-Spiegeln im Blut führen können als inhaliertes Cannabis, was das Fahren über längere Zeiträume beeinträchtigen könnte.
Vorerst reiht sich diese Studie in die immer zahlreicher werdenden Beweise ein, dass THC-Grenzwerte allein kein verlässliches Maß für das Risiko beim Autofahren darstellen, insbesondere bei erfahrenen Konsumenten oder medizinischen Patienten, die im französischen Experiment vorerst nicht fahren dürfen.
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