St. Gallen in der Schweiz startet das 8. Pilotprojekt für legales Cannabis
Der Kanton St. Gallen hat offiziell eines der grössten Cannabis-Pilotprojekte der Schweiz gestartet, das bis zu 5’000 erwachsenen Konsumenten den legalen Zugang zu Cannabisprodukten ermöglicht.
Diese Initiative, die von der Schweizerischen Vereinigung für Cannabisforschung in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich und demKOF-Institut der ETH Zürich, zielt darauf ab, politischen Entscheidungsträgern zuverlässige Daten über die Auswirkungen eines regulierten Cannabiskonsums durch Erwachsene zur Verfügung zu stellen.
Diese vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) genehmigte Studie ist Teil des umfassenderen experimentellen Ansatzes, den die Schweiz bei der Reform der Cannabisgesetzgebung verfolgt. Seit 2023 wurden mehrere Pilotversuche im ganzen Land gestartet, wobei die Behörden die gemeldeten Daten nutzen zur Bewertung einer möglichen landesweiten Legalisierung nutzen.
In St. Gallen sollen zwischen 3.300 und 5.000 Teilnehmer aus 42 Gemeinden über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren an dem Projekt teilnehmen.
Untersuchung der Auswirkungen des legalen Zugangs zu Cannabis
Wie die anderen Pilotprojekte, ist das Hauptziel der Studie, die sozialen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Auswirkungen eines regulierten Zugangs zu Cannabis zu untersuchen. Die Forscher hoffen zudem, besser zu verstehen, wie sich eine legale Versorgung auf den illegalen Markt auswirken kann.
Den Organisatoren zufolge zielt das Projekt darauf ab, „eine solide Forschungsgrundlage für den regulierten Freizeitkonsum von Cannabis in der Schweiz“ zu schaffen. Die Studie wird sich mit Konsumgewohnheiten, Präventionsmaßnahmen, gesundheitlichen Folgen und den weiterreichenden gesellschaftlichen Auswirkungen befassen, die mit dem legalen Zugang verbunden sind.
Die wissenschaftliche Methodik basiert auf einer randomisierten kontrollierten Studie, die als Goldstandard der empirischen Forschung gilt. Dieser Ansatz soll zuverlässige Daten liefern, die als Grundlage für künftige politische Entscheidungen zur Regulierung von Cannabis dienen können.
Legaler Zugang zu Blüten, Haschisch, E-Zigaretten und essbaren Produkten
Die für die Studie ausgewählten Teilnehmer erhalten Zugang zu einer Reihe von laborgeprüften Cannabisprodukten, darunter Cannabisblüten, Haschisch, E-Zigaretten, THC-Öle, Gummibärchen und mit Cannabis angereicherte Pralinen, die von Alpina Pharma, SwissExtract, Charlies Lab oder der Alpen Group bereitgestellt werden, die die Gummibärchen des amerikanischen Unternehmens Wana Brands vertreibt, das sich im Besitz der amerikanischen Tochtergesellschaft von Canopy Growth befindet.

Produktproben, die in St. Gallen erhältlich sind
Die Organisatoren weisen darauf hin, dass alle Produkte Qualitäts- und Sicherheitstests unterzogen werden, um sicherzustellen, dass sie frei von Schadstoffen wie Pestiziden oder nicht zugelassenen Zusatzstoffen sind. Die Teilnehmer können diese Produkte entweder in speziellen Verkaufsstellen, in Partnerapotheken oder über einen Hauslieferdienst beziehen.
Das Projektzentrum befindet sich in der Innenstadt von St. Gallen, während in der Stadt Wil bereits eine Verkaufsstelle eingerichtet wurde. Weitere Partnerapotheken sollen dem Netzwerk beitreten.
Eine zweistufige Studie
Das St. Galler Projekt gliedert sich in zwei separate Phasen.
Die erste Phase befasst sich mit der Zahlungsbereitschaft der Teilnehmer für legale Cannabisprodukte. Sie dauert etwa zehn Wochen und umfasst Umfragen, mit denen das Verbraucherverhalten und die Preissensibilität auf einem regulierten Markt bewertet werden sollen.
Nach Abschluss dieser ersten Phase werden die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip einer von drei Gruppen für die Langzeitstudie zugeordnet. Die Personen in den Gruppen A und B können während des gesamten Untersuchungszeitraums legal Cannabisprodukte kaufen, während diejenigen in Gruppe C keinen legalen Zugang dazu haben.
Die Forscher betonen, dass der Vergleich der Ergebnisse zwischen diesen Gruppen es ermöglichen wird, die Auswirkungen des legalen Zugangs zu Cannabis mit einem hohen Maß an wissenschaftlicher Genauigkeit zu messen.
Die Teilnehmer werden zudem während der gesamten Projektdauer regelmäßig an Online-Umfragen teilnehmen. Anhand dieser Fragebögen lassen sich die Entwicklung der Konsumgewohnheiten, der Gesundheitsindikatoren und der Einstellungen gegenüber Cannabis im Laufe der Zeit verfolgen.
Die Schweiz setzt ihren evidenzbasierten Ansatz fort
Die Schweiz hat sich als eines der aktivsten „Laboratorien“ Europas für die Erprobung von Cannabis-Politiken etabliert. Anstatt sofort eine landesweite Legalisierung umzusetzen, haben die Schweizer Behörden beschlossen, lokale Pilotprojekte unter strenger wissenschaftlicher Aufsicht zu genehmigen und dabei den Rahmen internationaler Übereinkommen einzuhalten, die den Gebrauch von Cannabis zu wissenschaftlichen Zwecken erlauben.
Die St. Galler Initiative schließt sich sechs weiteren ähnlichen Studien an, die derzeit in Zürich, Basel und in anderen Regionen.

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